Mittwoch, 12. Juli 2017

Utopie: Heteronormativität überwinden... denn ich will, dass es alles gibt, was es gibt


ihr lieben,
ich habe es sicherlich schon das ein oder andere mal erwähnt (hüstel): karin von grüner nähen - bunter leben hat mich eingeladen, als parade-bloggerin bei ihrer großartigen csd-link-parade dabei zu sein. da hab ich natürlich yeah gerufen!

am montag habe ich meinen rainbow-quilt verbloggt, es ging außerdem um die lgbtq* pride flag, deren farben und bedeutungen...


heute will ich mich mit heteronormativität beschäftigen. und mit der utopie, diese zu überwinden und ein möglichst schönes leben für alle zu forden!


mit heteronormativität gemeint ist, dass heterosexualität als die norm angesehen wird und diese gekoppelt ist an unhinterfragte und als "natürlich" angesehenen annahmen, was geschlecht, geschlechtsausdruck, (sexuelles und romantisches) begehren, geschlechtsidentität einer person anbelangt.

heteronormativität durchzieht alle gesellschaftlichen schichten.
diese annahmen gibt es überall, auch in der näh-blogger_innen-szene.

also wenn eine_r etwa meinen blog liest, wird eben nicht nur von mir als nähende und drüber bloggende person gelesen.

sondern es stehen immer auch noch mehr annahmen im raum, die mitgelesen werden.

dass ich, lisa, eine frau bin. dass ich mich als frau identifiziere, dass ich einen weiblichen körper habe und meinen weiblichen rollenzuschreibungen entspreche.

dass ich als frau, so ich in einer partnerschaft bin, NATÜRLICH mit einem mann zusammen bin. monogam. romantisch. hetero. man kennt das ja.

dass ich, wenn ich als frau mit einem mann zusammen in einer heterosexuellen beziehung bin, automatisch und ausschließlich hetero sein müsse.

usw. 


ich will nun niemanden vor den kopf stoßen oder meinen leser_innen etwas unterstellen. höchstwahrscheinlich seid ihr alle die ihr das lest super reflektierte, herzensgute menschen. eh. aber es sind eben strukturen die ziemlich fest sitzen. in mir auch. und da sind all die verdammten -ismen, die eine_r von klein auf eingebleut werden.

rassismen, sexismen, heteronormativismen, klassismen, schönheitsideale, dickenfeindlichkeit, behindertenfeindlichkeit, transfeindlichkeit, homosexuellenfeindlichkeit...

all das was bestimmt, was als "normal" gilt. normal, so wie "der weiße, nicht-behinderte, heterosexuelle durchschnittsbürger".


aber  es gibt soviel mehr. es ist ein spektrum innerhalb dessen wir alle uns  bewegen.
hier mal ein gender unicorn zum besseren verständnis:

die jeweiligen pfeile gehen von gar nicht bis sehr und jede_r von uns uns befindet sich irgendwo auf den all diesen pfeilen. (karin hat hier auch etwas dazu geschrieben, dass niemand 100% hetero- oder homosexuell ist)

schaut mal auf die seite von TSER (Trans Student Educational Resources) da wird das gender unicorn und die benutzten begriffe erklärt und es gibt ein beispiel, wie eine_r das gender unicorn ausfüllen kann. (alles auf englisch)

doch die gesellschaftlichen annahmen sind andere. sie sind eben normiert. und das ist kackmist.


ich habe vor einiger zeit ein lied geschrieben, das heißt utopie, und darum geht es auch. um die wichtigkeiten erlebtes/ lebensweisen/ existenzen/identitäten anzuerkennen. ihr dasein zu respektieren, als eine möglichkeit zu sein...

hier also mein lied - utopie:



denn wie gesagt: all das gibt es. auch wenn es gesellschaftlich gerne verunsichtbart wird. und ich möchte eine welt in der es all das gibt, was es gibt.


und ob  eine_r nun mann ist oder frau oder beides oder etwas anderes - alles möglich, alles gut so wie es für die person gut ist.

und ob eine_r nun personen des selben geschlechts liebt oder personen anderer geschlechter oder für sich selbst überhaupt nichts mit dem konzept der romantischen liebe anfangen kann, alles möglich, alles gut so wie es für die person gut ist.
und ob eine_r nun mit einer person zusammen ist, oder mit mehreren oder mit niemandem, alles möglich, alles gut, so wie es für die beteiligten personen gut ist.

leider ist das aber in unserer gesellschaft für viele menschen nicht die realität. 
obwohl die normen nur konstruiert sind, haben sie reale auswirkungen auf menschen, die dabei raus fallen. mobbing. gewalt. wegfall von rechten. nicht anerkennen von existenzen und lebensrealitäten. verstecken. tod.


und hier kommen wir zurück zu meinem lied. zu der utopie einer welt, in der es all das geben darf, was es sowieso schon gibt.
in der gehört wird wenn wer spricht. egal wer spricht. (nicht nur weiße cis-hetero-typen.)

und dass wir sein können, wer wir eben sind, so sein können, wie wir eben sind und uns so labeln können, wie es für uns selbst passt! (hier bei den wichtel_innen im bild: ein großartiges zine von bluespunk, dass ihr euch hier runterladen könnt)

und dass wir die verschiedenen lebensrealitäten der menschen anerkennen. sie ihnen nicht absprechen. zuhören. unterstützen. zusammen kämpfen.

...nicht mürbe machen lassen von "besorgten bürgern", "besorgten eltern", nazis, fundis, verbohrten engstirnigen ewig-gestrigen. (auf dem bild turnen die wichtel_innen übrigens auf einem superguten reader, den ihr hier findet. leider wieder sehr aktuell das thema in marburg gerade..)
 

die welt ist bunt! lassen wir sie uns nicht nehmen!

machts gut.
***
lisa
***
  achso ich wollte noch sagen:
die wichtel_innen sind entstanden nach einem diy-kit vom atelier der kleine troll, welches ich mir vor einiger zeit auf einer kreativmesse gekauft habe. die anleitung war super und die wichtel_innen können dann auch voll gut mit billigeren bastelmaterialien (es braucht nur: pfeifenreiniger, filz, holzkugeln) gebastelt werden.
und ich will noch viele solche entzückenden rainbow-wimpel- (bzw. in diesem fall: herzen-) ketten herstellen. zucker!

ach und den mp3-player mit meinem lied konnte ich nur einbauen dank der gut erklärten youtube-videos von susanne von blogger tipps und tricks.


verlinkt bei: csd-link-parade, mittwochs mag ich und ende des monats dann auch gerne in frau jules sammlungen zum politischen in der näh-bloggerei...

Kommentare:

  1. Ich bin gerade voller Dankbarkeit, dass ich durch dieses Internet Leute gefunden habe, die solche Blogposts schreiben und diese lesen kann. Danke für's Schreiben.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Lisa, ich glaube, ich hab gerade zum viertel Mal Deinen Beitrag gelesen - und entdecke jedes Mal neue, wunderbare Details. Danke für Deine klugen Zeilen, die Links, Dein Lied, das Gender-Unicorn, die wunderbaren Regenbogen-Filz-Zwerge (die ich SOFORT auch machen will! Ich will auch diese_n Garnhalter_in!)... einfach jedes Detail Deines Blogposts. Ich hoffe, ihn lesen viele, viele Menschen :-) Was bin ich froh, dass Du als Parade-Bloggerin dabei bist! Ich danke Dir sehr! Liebste Grüße! Karin

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Lisa, ich bin da ganz bei Dir, nämlich dass alles, was sein kann, auch sein sollen darf. Aber Normen sind in meiner Welt nicht per se schlecht. Normen erleichtern in jeder Gesellschaft das Leben enorm, sie geben Halt und Richtung im Leben, Regeln und Grenzen. Es ist verdammt anstrengend, die ganze Zeit ohne das alles zu leben.
    Gefährlich werden die Normen erst in Kombination mit Intoleranz, und wenn eine Gruppe nicht bereit ist, die Regeln und Grenzen von Zeit zu Zeit zu überdenken oder auch mal über den Tellerrand zu schauen. Und in Kombination mit Gewalt, wenn alle gezwungen werden, nur das Eine Erlaubte zu denken.
    Ich mag das Kontinuum vom Regenbogeneinhorn voll gern, und ich fände es gut, wenn diese Sichtweise auf die Facetten von Sexualität zur Norm würde. (Wobei dann wieder alle außerhalb der Norm wären, die z.B. - Stichwort Borderline - kein Kontinuum sehen können. Nur der Vollständigkeit halber.)

    Ah, ich habe vergessen in meinem Beitrag noch zu schreiben über den großartigen utopischen Roman "The left hand of darkness" von Ursula K. LeGuin. (Aber der Buchtipp passt hier bei dir eigentlich auch viel besser hin.) Darin beschreibt sie eine Gesellschaft, in der sich das sexuelle Geschlecht der Person erst in der jeweiligen Situation mit dem Gegenüber definiert, sodass die Mutter mehrerer Kinder gleichzeitig der Vater mehrerer anderer sein kann. Voll spannendes Gedankenexperiment. Die Leute auf diesem Planeten sind komplett überfordert von der offensiven Männlichkeit des außerirdischen Besucher, eines Erdenbürgers. :-)
    lg, Gabi
    (PS: Oh, da ist ja auch der Oktopus am letzten Bild! Der ist auch sehr vielfältig. *freu*)

    AntwortenLöschen